Handball-Historie-Hinterland: Ein halbes Jahrhundert Sportgeschichte

Über 50 Jahre Handball im Hinterland – eigentlich wäre es an der Zeit gewesen, ein halbes Jahrhundert Handballsport im Hinterland zu feiern. Leider machte Corona, wie bei so vielem in diesem Jahr, einen Strich durch die Rechnung. Dennoch haben wir hier für euch eine kleine Handballgeschichte in Wort und Bild.

TV Buchenau machte den Anfang 

1969 war es in Buchenau, als einige junge Sportler die erste Handballabteilung eines Sportvereins im Hinterland zu gründen, und zwar im dortigen Turnverein. Darunter war auch der aus Wetzlar ins Hinterland gezogene Hartmut Schäfer. Nachdem er die Leitung der Stadtschule Biedenkopf übernommen hatte, war er der Meinung, dass auch in Biedenkopf Potential für den Handball sein müsste. Und es fanden sich tatsächlich begeisterte Sportler im dortigen Turnverein, die 1971 eine Handballabteilung ins Leben riefen. 1972 folgte dann der TV Weifenbach und 1973 der TV Gladenbach. So hatte der Handball im Hinterland recht schnell eine relativ breite Basis gefunden, erste Erfolge stellten sich alsbald ein, zunächst in Biedenkopf und wenig später auch in Weifenbach. Beide Vereine spielten Anfang der 1980er Jahre in der Bezirksliga A Gießen. Unvergessen sind die Derbys, die in dieser Zeit regelmäßig vor vollen Hallen mit bis zu 400 Zuschauern stattfanden. Mitte der 1980er Jahre gesellte sich ein weiterer Verein in den Kreis der Hinterländer Handballteams: Die Spvgg. Eisenhausen, die in der Spitze aus zwei Jugendmannschaften am Wettkampf teilnahm, löste ihre Handballabteilung jedoch leider schnell wieder auf. Nach der Gründung der HSG Biedenkopf/Weifenbach Ende der 1980er Jahre gelang nochmals ein Aufstieg in die Bezirksklasse, in der es zu einigen Derbys gegen den TV Buchenau kam.

 

Harte Zeiten für die Hinterländer Handballer

Nach anfänglichen Erfolgen der Spielgemeinschaft Biedenkopf/Weifenbach ließ die Euphorie Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts merklich nach und der TV Weifenbach beendete mit dem Ausstieg aus der HSG seine Handball-Ära – und mit dem Ausstieg setzte sich ein bereits schon eingesetzter, schleichender Erodierungsprozess fort. In dem folgenden Jahrzehnt reduzierten sich die Biedenköpfer Mannschaften auf ein einziges Team im Jahr 2005. Die Damen hielten die Fahne hoch für den TV Biedenkopf. Im TV Gladenbach und im TV Buchenau blieb die Anzahl der Teams etwas konstanter, doch auch die Handballabteilungen der beiden Turnvereine hatten mit schwindenden Spielerzahlen zu kämpfen. Der Handball im Hinterland schien auf dem absteigenden Ast zu bleiben, bis die Heim-WM im Jahr 2007 die Wogen etwas glätteten: Der ausgelöste Handball-Boom vom Wintermärchen 2007 ging auch nicht spurlos am Hinterland vorbei. Plötzlich waren wieder Jugendliche am Handball interessiert und schon einige Zeit später konnten die ersten Jugendmannschaften für den Spielbetrieb gemeldet werden.

Der lange Weg zur HSG Hinterland

Im Jahre 2008, zum 100-jährigen Bestehen des TV Gladenbach, gab es zudem ein ganz besonderes sportliches Highlight: Die Bundesliga-Profis der HSG Wetzlar waren zu Gast in Gladenbach und traten gegen eine zusammengestellte Mannschaft des TV Gladenbach und des TV Biedenkopf an. In den Jahren nach der Heim-WM gab es zudem die ersten Kooperationen im Frauen- und Jugendbereich. Einzelne Spielgemeinschaften sicherten die Saisonteilnahme einiger begeisterter Handballerinnen und Handballer. Nach den ersten erfolgreichen Kooperationen zogen wenig später die Männer nach: Mit der MSG Biedenkopf/Buchenau nahm 2013 ein zusammengesetztes Herrenteam am Spielbetrieb teil. Die Mannschaftszahlen blieben in diesen Jahren recht konstant, allerdings erreichte kein Team einen durchschlagenden Erfolg. Die männliche B-Jugend aus dem Zusammenschluss Biedenkopf/Buchenau/Gladenbach konnte zwar 2012 den Meistertitel in ihrer Klasse feiern und auch die Herren des TV Gladenbach gelang 2013 und 2015 der Aufstieg in die Bezirksliga C, doch an langfristige Erfolge war nicht zu denken. Das war auch letztlich der entscheidende Punkt, dass man sich in den drei Vereinen dazu entschloss, Gespräche über die Gründung einer HSG zu führen.

Die jüngere Geschichte: Der Zusammenschluss

Nachdem man sich ziemlich schnell in den maßgeblichen Punkten einig war, erfolgte im April 2015 die Gründung der HSG Hinterland. Dass das die einzig richtige Entscheidung war, lässt sich heute, in Jahr 5 des Bestehens, mit Fug und Recht bestätigen. Mit acht Mannschaften startete die HSG in die erste Saison. Die seinerzeit extrem junge Mannschaft konnte sich dort gut etablieren. Auch sonst nahm die HSG einen Aufschwung, den in dieser Intensität niemand für möglich gehalten hätte. Im ersten Jahr feierte die B-Jugend direkt die Meisterschaft und im darauffolgenden Jahr scheiterte die Männermannschaft knapp in der Relegation. Ein Jahr später war es dann so weit: Die Herren spielten eine verlustpunktfreie Saison und stiegen ungeschlagen in die Bezirksliga B auf. Bereits ein Jahr darauf machten es die Damen den Herren nach und folgten ebenso in die Bezirksliga B. Die Herren richteten derweil den Blick noch weiter nach oben und stiegen durch glückliche Umstände in die Bezirksliga A auf. Seit 30 Jahren ist dies keiner Hinterländer Mannschaft gelungen und dies ist ein toller Erfolg für die noch junge HSG, die rückblickend sagen kann, dass mit dem Zusammenschluss alles richtig gemacht wurde.

Die HSG-Familie wächst weiter

Besonders stolz ist man, das diese Erfolge fast ausnahmslos mit Spielerinnen und Spielern geschafft wurden, die auch im Hinterland das Handballspielen erlernt haben. Auch die Frauenmannschaft hat sich seit dem Aufstieg in der B-Klasse voll etabliert und seit dem letzten Jahr ist auch noch eine zweite Mannschaft im Frauenbereich dazu gekommen. Der Jugendbereich hat sich seit Gründung der HSG ebenfalls prächtig entwickelt. So gehen in diesem Jahr acht Jugendmannschaften an den Start. Außerdem existiert noch eine gut frequentierte Mini-Gruppe, so das im Moment summa sumarum ca. 180 aktive Handballer am Spielgeschehen teilnehmen. Eine Zahl, die bei Gründung im Jahr 2015 niemand für möglich gehalten hatte.

Das aus den Spielerinnen und Spielern der drei Vereine längst eine große HSG-Familie geworden ist, macht die Entwicklung noch erfreulicher. Es kann erwartungsvoll in die Zukunft und auf die kommenden 50 Jahre Handball im Hinterland geschaut werden.